Fulltimejob Bubentraum: Racing Rookie 2018 Luca Pröglhöf

Als Racing-Rookie-Gewinner 2018 schlägt sich Luca Pröglhöf in der Vorbereitung auf das echte Rallyeleben derzeit die Nächte um die Ohren – nicht auf Partys, sondern in der Werkstatt nach der Schule. Wie schön, dass ein paar andere Verrückte seinen Traum mit ihm teilen.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 10.04.2019
Ein Artikel aus der Autorevue Extra 2019Aktuelle Abo-Angebote findet ihr hier

Sonntag Abend, halb neun, und an Feierabend ist nicht zu denken. Luca sitzt immer noch am Finetuning, denn morgen ist der große Tag, an dem alles passen muss. Er will sich keine Blöße geben. Also nimmt er sich noch einmal die Standard-Normalverteilung vor. Weil die letzte Mathematik-Schularbeit ein Fleck war, sollte er die morgige besser hinbekommen, damit er die Matura an der HTL Mödling planmäßig absolvieren kann.
Ein gewöhnliches Wochenende sieht bei ihm freilich anders aus. Da werden die Nächte statt hinterm Schreibtisch in der Werkstatt verbracht, zum Beispiel um das Getriebe auszubauen und für die spezialangefertigte Differentialsperre abzumessen. Zu viert stehen er, sein Papa, Dominik und Andre da und freuen sich. Dann merken sie, dass das Schalten plötzlich nicht mehr geht, und kommen wenig später drauf, warum: Die Kugeln an den Synchronringen der Schaltmuffe sind beim Wiedereinbau rausgefallen, weswegen die Schaltmuffe herumschlackert.

Fulltimejob Bubentraum: Racing Rookie 2018 Luca Pröglhöf
Trainings-Training. Bevor es mit neuem Fahrwerk und Differentialsperre an die Rallye-Trainings mit den Instruktoren der ÖAMTC Fahrtechnik geht, wird mit halb fertigem Auto noch fürs Training trainiert.


Also noch einmal: Getriebe ausbauen, Schaltmuffe richten, Getriebe einbauen. Der Arbeitstag begann um 9 Uhr in der Früh und endete um 1.15 Uhr in der Nacht. Dass keiner der Beteiligten beim Erzählen aufstöhnt, liegt entweder an der hohen Konzentration fürs Fotoshooting oder an dem gemeinsamen Traum, den sie alle teilen. Der lautet recht bescheiden: die Jugend für den Motorsport zu begeistern und so eine nächste goldene Ära des Rallyesports einzuläuten. Nach seinem Sieg beim Racing Rookie 2018 trommelte Luca seine Freunde zusammen und eröffnete ihnen, dass er für die Rallyesaison 2019 ein verlässliches Team brauche, das aus ihnen bestehen werde, und im Übrigen mögen sie sich schon einmal diesen Zeitraum freischaufeln. Absagen hätte er nach eigener Aussage wahrscheinlich akzeptiert, doch es willigten ohnehin alle ein, und das Herzstück der Mission war geboren: das Rookie Rallye Team.

Fulltimejob Bubentraum: Racing Rookie 2018 Luca Pröglhöf
Ungesittet. Unweit einer ehemaligen Motocross-WM-Strecke ackert Luca die Sittendorfer Gegend um, während das Rookie Rallye Team schon einmal das Jubeln für den Ernstfall probt.


Dazu gehören natürlich zunächst Luca Pröglhöf und sein Beifahrer Peter Medinger, der mit 50 Rallye-Teilnahmen und einer Top-Ten-Platzierung bei der Rallye-Staatsmeisterschaft die nötige Erfahrung bei den Rallyes einbringt. Er fuhr schon mit Lucas Vater und wollte eigentlich keinen Neuling mehr ans Rallyefahren heranführen, aber die familiäre Nähe und Lucas Entschlossenheit ließen ihn doch umschwenken.
Doch ein Gutteil der Atmosphäre im Team ist den sechs Burschen zu verdanken, die Lucas frecher Ansage nach seinem Sieg keine Absage erteilten. Sie verbindet eine Motorsport-Besessenheit, die sie etwas unterschiedlich ausleben, sowie das nötige Know-how in ihren Bereichen, das sie sich entweder im HTL-Zweig Fahrzeugtechnik, beim Schrauben mit dem Opa oder autodidaktisch erarbeitet haben.
Würden Peter, Dominik, Andre und Mario nicht die Service-Abteilung bestreiten, wären sie wohl weiterhin mit Projekten wie jenem beschäftigt, aus zwei kaputten Škoda Fabias einen funktionierenden zusammenzubauen. Luca bei seiner Mission zu unterstützen ist ihnen aber lieber, denn da können sie im Rallye-Betrieb noch einiges lernen. Einer bezeichnet es als actionreiches Praktikum, und das trifft es ganz gut. Bislang haben sie neben den mühsamen Ausmessarbeiten des Getriebes das Fahrgestell an kritischen Stellen wie den Domlageraufnahmen oder dem Unterboden verstärkt, indem sie die ab Werk gepunkteten Bleche verschweißt haben. Mit der Bremskraftverteilung der eingebauten hydraulischen Handbremse sind sie aber noch nicht ganz zufrieden, außerdem werden noch die berüchtigte Differentialsperre, neue Achsen und ein KW-Gewindefahrwerk verbaut, bei dem das Team eine eigene Einschulung fürs Einstellen erhält.

Luca Pröglhöfs Ford Fiesta ST

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Auspuff
Mit dem Schalldämpfer konnte sich das Team nicht anfreunden, also geht das Rohr jetzt ab dem Katalysator geradewegs hinaus. Man will ja Rallye erfahren mit allen Sinnen.
Folierung
Sponsorenlogos verstehen sind von selbst. Frontschürze, Dach und Seitenschweller sind rot abgesetzt, um sich auch von den anderen Rookie-Autos optisch abzusetzen.
Hydraulische Handbremse
Mit der am ABS-Block angeschlossenen hydraulischen Handbremse kann Luca einen kontrollierten Drift einleiten.
Fahrwerk
Zum vergünstigten Tarif wurde bei KW ein Gewindefahrwerk geordert, das noch verbaut wird. Für die fachmännische Feinjustierung wird das Team eingeschult.
Differentialsperre
Serienmäßig im Fiesta ST nicht verfügbar, greift das Team auf eine für den Rallyebetrieb optimierte Spezialanfertigung zurück, die die Koppelung der angetriebenen Räder regelt.
Verstärktes Fahrgestell
Bei den Rallyes wirken enorme Kräfte auf das Auto. Die übereinander liegenden Bleche z. B. an den Domlageraufnahmen oder am Unterboden wurden daher verschweißt.

Hier steuert auch Lucas Vater sein Wissen bei, der sich in zurückhaltend beratender Funktion sieht. Seinen Rat berücksichtigt man aber lieber, weil er leider immer recht hat, gesteht Luca etwas zerknirscht ein.
Komplett auf eigenen Beinen steht das Rookie Rallye Team hingegen, was die mediale Inszenierung angeht. Spricht man mit Jakob, dann hört man von permanenter Bereitschaft, sich wöchentlich verdoppelnden Reichweiten auf Social-Media-Kanälen, viel zu kurzen Nächten und unheimlichem Potenzial. Nach zwei Minuten mit ihm ist man voll geladen mit Visionen und versteht, warum er der Pressesprecher des Teams ist. Die Mediensektion komplettiert Christoph hinter der Kamera, der schon einige Erfahrung im Festhalten von Motorsport-Events hat. Fetzige Aufnahmen wechseln sich mit schicken Zeitlupen ab. Wenn man auf YouTube die Momente aus der Werkstatt in Slow Motion mit klassischer Musik unterlegt sieht, kann man sich wirklich kaum ein entspannenderes Hobby vorstellen als Motorsport.

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Auffällig unauffällig. Vom Konzept Eishockeymama halten Lucas Eltern eher wenig. Ihr Sohn stemmt das Projekt so entschlossen, dass sie sich bis auf ein paar Tipps eher zurücknehmen können.


Zum Glücklichsein brauchen die Burschen nicht mehr als ein paar Feldwege, die die Bauern der Umgebung zum Heizen für sie freigeben, und eine Werkstatt, wo sie weiter ihr Gerät verbessern. Das war schon vor Jahren so, das Rookie Rallye Team ist einfach der logische nächste Schritt, um ihre Begeisterung professioneller ausleben zu können.
Während Luca das Auto für ein paar Fahraufnahmen auf die Bahn bringt, wird simultan alles umgestellt, die Sichtbarkeit der Sponsoren diskutiert und das Auto nach dem Ablichten sofort wieder poliert. Währenddessen postet Jakob eine Instagram-Story, und Lucas Eltern fragen ihn, wie sie die Story liken können.
Mit seinem Vater kümmert sich Luca um die Sponsorenakquise und ist mit seinem ausgearbeiteten Medienkonzept recht erfolgreich, wie man auf www.proeglhoef.racing sieht. Sein Rookie-­Winterevent mit einer Schnitzeljagd und anderen Teambewerben zog über 100 Teilnehmer in 43 Autos an und war in den sozialen Medien präsent, das Begeistern der Jugend für den Motorsport funktioniert also schon recht gut. Mit Stolz in der Stimme erzählt Luca vom steigenden Medienwert des Teams für Sponsoren. Er hat noch viele Konzepte im Kopf, aber über ungelegte Eier spricht er ungern.
Doch so professionell der Auftritt ist, die Rallyes stehen alle noch bevor. Nächste Woche kommen Fahrwerk und Sperre, dann kann er hoffentlich bald mit den Trainings beginnen. Am 18. Juli startet Luca bei der Weiz-Rallye. Bis dahin heißt es, die perfekte Abstimmung zu finden – sowohl was das Fahrzeug angeht, als auch die Zusammenarbeit mit Peter Medinger betreffend. Das Rookie Rallye Team ist natürlich fasziniert vom Ausblick, das komplett heiße Auto im Schnelldurchgang zwischen zwei Sonderprüfungen zu reparieren. Auch Jakob, der ursprünglich wenig mit Motorsport am Hut hatte, haben sie bereits voll infiziert. Doch wie bereitet man sich auf etwas völlig Neues vor?

Fulltimejob Bubentraum: Racing Rookie 2018 Luca Pröglhöf
In den Startlöchern. Das ganze Team kann es kaum erwarten, mit dem fertigen Auto ab 18. Juli in Weiz die Rallye-­Saison zu starten und dort das Auto ­unter Zeitdruck zu warten.
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Bei jedem Gang in die Werkstatt werden sämtliche Handgriffe protokolliert, damit man in den heißen Phasen nicht zuerst überlegen muss, welchen Schlüssel man wofür braucht. Auch unter erschwerten Bedingungen werden sie noch trainieren müssen, meint Luca. Das heißt, ohne Hebebühne, mit aufgebocktem Fahrzeug. Vielleicht werden sie das Getriebe ausbauen, während sie sein Vater mit dem Gartenschlauch abspritzt, um Regen zu simulieren. Vielleicht ein Plan für das nächste gewöhnliche Wochenende.Vorher steht aber neben der Mathematik-Schularbeit noch die Abgabe der Diplomarbeit an. Mit zwei Kollegen aus dem Team arbeitet Luca da an der Strömungsoptimierung von Heckspoilern, die sie sich bei den Flossen von Buckelwalen abgeschaut haben. Ist die fertig, kann sich das Team endlich wieder auf die schönen Dinge im Leben konzentrieren. Schrauben, tüfteln, trainieren und schrauben.

Alles auf Anfang!

Wer glaubt, das Zeug zu haben, um in Lucas Fußstapfen zu treten, und schon immer ambitionierte Pläne für die Freizeitgestaltung des Freundeskreises hatte, der kann sich für die heurige Ausgabe des Racing Rookie anmelden. Die schlechte Nachricht: Von den 480 Teilnehmenden jährlich kann nur eine oder einer Racing Rookie 2019 werden. Die anderen verbringen einen gaudigen Halbtag auf Handlingparcours mit bis zu 350 PS für nichts und wieder nichts. Herantasten an die Ideallinie, unbeschwert auf abgesicherten Kursen heizen und das schnelle Autofahren von Profis lernen – alles umsonst. Das darauffolgende Jahr sind sie dazu verdammt, einen regelmäßigen Schlafrhythmus und das Leben ganz normaler Jugendlicher zu führen.
Wer damit leben kann, darf sich zum Racing Rookie 2019 anmelden. Und wer nicht damit leben kann, sollte ihn besser gewinnen.
Alle Termine des Racing Rookie 2019
1. Mai – Teesdorf
30. Mai – Melk
20. Juni – Teesdorf
20. Juli – St. Veit an der Glan
3. August – Saalfelden
Finale
24. August (Anreise am 23. August) – Melk
Anmeldung für die Geburtsjahrgänge 1998-2002 unter: www.racingrookie.at
Anmeldegebühr 30 €


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